Im Mai 1985 veranstaltete die Offizielle Sprachschule (EOI) in Alicante das Abschlussfest, und ich trug Puschkins „Няне“ („Nianie“: „An die Amme“) auf Russisch vor.
Puschkin (1799–1837) ist wohl die bedeutendste Persönlichkeit der russischen Literatur. Im Jahr 1826 schrieb er dieses kurze und zärtliche Gedicht, das er der Frau widmete, die seine Kinderfrau gewesen war, Arina Rodionowa, deren Foto das Titelbild dieses Beitrags ziert.
Seitdem hat mich dieses Gedicht begleitet.
Die Übersetzung dieses Gedichts ins Deutsche würde lauten:
DIE AMME
Freundin meiner schweren Tage,
meine greise Taube!
Allein in der Einsamkeit der Kiefernwälder
wartest du schon lange, lange auf mich.
Unter dem Fenster deiner Stube
Du bist bekümmert, anscheinend, weil die Stunden vergehen,
und die Nadeln verweilen von Minute zu Minute
in deinen faltigen Händen.
Du blickst durch das vergessene Tor
Auf den schwarzen, fernen Weg:
Sehnsucht, Vorahnungen, Sorgen
Bedrücken unaufhörlich deine Brust.
Ich stelle hier ein Video ein, in dem ich es mehr als vierzig Jahre später auf Russisch vortrage – auch ich mittlerweile mit vielen Falten und Sehnsucht…
Möge dieser kurze Beitrag als kleine Hommage an die reiche russische Kultur dienen, die mich in meiner Jugend so sehr geprägt hat.
Und möge dieser kurze Beitrag auch als Hommage an Frau María dienen, die Amme, die ich von meinem ersten bis zu meinem dritten Lebensjahr hatte, da meine Mutter, die zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Kinder hatte (ich war die Jüngste), ein Lehramtsstudium an der Universität begann, als ich noch nicht einmal ein Jahr alt war… Vielen Dank also an diese beiden Frauen, die mir durch ihre Bemühungen als Vorbild im Leben gedient haben, und ebenso vielen Dank an alle Menschen, die mir geholfen und mich unterstützt haben…